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Sachtextanalyse: Kant: Was ist Aufklärung?

„Was ist Aufklärung?“ (1774) ist ein Essay von Immanuel Kant. Es geht um die Grundwerte der Aufklärung.

Kant schreibt, Aufklärung bedeute den Mut, selbständig zu denken. Sie sei die Überwindung einer „selbst verschuldeten Unmündigkeit“. Denn vielen Menschen erscheine es bequemer, auf eigenständiges Denken zu verzichten und andere Menschen für sich denken zu lassen. Von dieser Denkfaulheit profitierten in Wirklichkeit aber nur die Autoritäten (Fürsten, Militärs, Priester), für die gehorsame und sich unterordnende Menschen bequemer seien. Insbesondere bedeute Aufklärung aber die Freiheit, die eigene Meinung öffentlich zu äußern. Menschen sollten auch ihre Religion frei wählen dürfen. Ängste, die Menschen seien unfähig, ihr Leben selbst frei zu gestalten, weist Kant zurück: Wenn man Menschen nicht absichtlich in Unfreiheit und Dummheit festhalte, würden sie schrittweise lernen, mit ihrer Freiheit verantwortungsvoll umzugehen.

Kants Essay ist ursprünglich als Antwort auf eine kritisch-ablehnende Polemik eines Pfarrers gegen die Anliegen der Aufklärung in Form eines Zeitungstextes erschienen. Das bedeutet, der Text ist Teil einer längeren, heftig geführten Debatte über die Bedeutung der Aufklärung und über ihre zentralen Anliegen. Und er ist an ein „Laienpublikum“ gerichtet.

Der zentrale Wert der Aufklärung ist Freiheit, in der Sprache Kants „Mündigkeit“. Gemeint ist damit zunächst einmal, dass Menschen „von Natur aus“ persönlich frei sind, was vor dem Hintergrund von Sklaverei und Leibeigenschaft revolutionär ist. Gemeint ist vor allem auch, dass der einzelne Mensch sein Leben so gestalten können soll, wie er selbst es für richtig hält. In Kants Zeit gehört dazu vor allem der Kampf um Religions- und Glaubensfreiheit. Der einzelne Mensch habe – so Kant und andere Aufklärer – das Recht, selbst zu entscheiden, zu was für einem Gott er beten will; (wahrscheinlich auch, ob er überhaupt beten will, auch wenn Kant das so ausdrücklich nicht sagt). Vielleicht erscheint uns diese Forderung heute nicht sehr „revolutionär“. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass im 18. Jahrhundert der jeweilige Landesfürst das Recht hat, über die Religion seiner „Untertanen“ zu bestimmen. Wer in einem katholischen Land protestantisch glauben will, muss damit rechnen, diskriminiert, zwangsbekehrt, vertrieben oder im Extremfall umgebracht zu werden (Für protestantische Länder gilt das umgekehrt natürlich auch). Und Juden sind sowieso allenfalls „auf Widerruf geduldet“. Der Fürst exekutiert das Recht. Die Kirchen applaudieren und revanchieren sich bei Gelegenheit. Nur vor diesem Hintergrund können wir verstehen, wie revolutionär und wie provokativ für die „alten Autoritäten“ Kants Text ist. Denn er spricht den Priestern und dem Fürsten das Recht ab, sich in das Privatleben von Menschen einzumischen. 

"Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (…) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.“ Was Kant hier beschäftigt, ist, dass viele Menschen gar keinen besonders großen Wert auf ihre Freiheitsrechte legen. „Es ist bequem, unmündig zu sein.“ Auf den ersten Blick mag diese Erkenntnis erstaunlich erscheinen. Wer würde nicht die Freiheit der Fremdbestimmung vorziehen? Doch Kant erklärt, dass Menschen ein freies Leben erst mühsam lernen müssen. Und es wird schnell klar, dass ein freies und selbstverantwortetes Leben auch sehr unbequem sein kann: Das Pferd, das vom Bauern als Arbeitstier benutzt wird, mag zwar ein anstrengendes Leben haben. Aber er muss nicht um sein Essen und um ein Dach über dem Kopf kämpfen. Würde es in Freiheit leben, würde es vielleicht hungern. Und niemand würde es verarzten, wenn es sich am Bein verletzt.

Dass Kant „dem schönen Geschlecht“ die Reife zur Freiheit in einem Nebengedanken praktisch pauschal abspricht, zeigt übrigens, dass auch er – Aufklärung hin oder her – Frauen gegenüber alte Vorurteile verstärkt. Freiheit scheint auch für ihn ein „männliches Privileg“ zu sein.

Kants Text ist fast 250 Jahre alt. Der Text ist sprachlich anspruchsvoll und eher schwer verständlich. Beim schnellen Überlesen gelingt es nicht, seinen Bedeutungsgehalt zu erschließen; man muss sich den Zugang zum Text erkämpfen; nicht nur weil viele Begriffe („räsonnieren“ …) veraltet sind und viele Beispiele aus einem anderen Zeitalter kommen. Doch die Mühe lohnt sich. 

Viele Themen, die im Text angesprochen werden, sind auch heute noch aktuell. So maßen sich kirchliche Autoritäten teilweise immer noch in vielen Bereichen das Recht an, den Menschen Vorschriften für ihre persönliche Lebensgestaltung zu machen. So sollen gläubige KatholikInnen sich nicht scheiden lassen, keine Verhütungsmittel benutzen und keine außerehelichen Beziehungen eingehen. MuslimInnen oder Jüdinnen sollen nach der Meinung fundamentalistischer Religionsführer nicht selbst entscheiden dürfen, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht. Fundamentalisten, die es in allen Religionen gibt, wollen die Freiheit des Einzelnen in Lebens- und Glaubensfragen bis heute nicht akzeptieren. 

Aber auch politische Entscheidungsträger müssen die Grenzen der individuellen Freiheit immer wieder neu festlegen. Und auch hier gibt es viele, die lieber einen bevormundenden als einen liberalen Staat wollen. Das zeigt sich in Diskussionen um Sterbehilfe, . Am wichtigsten scheint mir aber auch in der heutigen Zeit noch Kants Gedanke, dass viele Menschen lieber Autoritäten vertrauen, anstatt selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. 

Und dass viele Menschen sich nach wie vor freiwillig den autoritären Entscheidungen anderer unterwerfen und auf kritisch-reflektierendes Denken gerne freiwillig verzichten, ist auch heute zu beobachten. (800 Wörter) 

In einem Kommentar bringt der Verfasser seine eigene Meinung zum Ausdruck. Das ist ganz klar das größte Unterscheidungsmerkmal zwischen dieser Textform und fast allen anderen.

Somit gibt er die Meinung eines Einzelnen wieder, nicht etwa der ganzen Redaktion einer Zeitung, in der der Kommentar abgedruckt wird. Deshalb wird in den Printmedien oft auch ein Foto des Autors neben den von ihm geschriebenen Kommentar abgebildet, damit der Leser sich ein Bild vom Verfasser machen kann.

Wenn ein Kommentar im Radio oder in Fernsehsendungen zu hören, beziehungsweise zu sehen ist, liest meist der Journalist seinen Kommentar selbst vor.

Spezielle Formen des Kommentars sind die Glosse und die Kolumne.

Kommentar zu aktuellen Themen verfassen

Normalerweise bezieht sich ein Kommentar auf ein aktuelles Thema, das oft direkt neben ihm abgedruckt oder in der gleichen Sendung behandelt wird. Er soll den Rezipienten dazu anregen, sich selbst eigenen Gedanken zum Thema zu machen.

Der Verfasser versorgt den Leser / Zuschauer dabei in der Regel mit zusätzlichen Informationen. Zum Beispiel erinnert er an vergangene Ereignisse, die bei der Analyse des gegenwärtigen Sachverhalts eine Rolle spielen oder präsentiert weiter Fakten zum aktuellen Thema.

Der Autor interpretiert die Ereignisse. Er analysiert und wägt die unterschiedlichen Ansichten ab, aber am Ende vertritt er eine klare Meinung.

Diese Meinung muss der Verfasser allerdings mit guten Argumenten belegen. Ein schlichtes beharren auf dem eigenen Standpunkt ohne triftige Argumente, nach dem Motto „Das Gesetz sollte abgeschafft werden, weil es sinnlos ist, und wer das nicht einsieht hat keine Ahnung“, ist der Tod für jeden Kommentar.

Deshalb ist es für den Autor so wichtig, sich im Vorfeld mit dem Thema auseinander zu setzen. Nur wenn er sich ausreichend informiert hat, kann er einen guten Kommentar schreiben. Er muss vor allem die Argumente des „Gegners“ kennen und selbst bessere, beziehungsweise stärkere Gründe vorzuweisen haben.

Statistiken zu durchforsten kann dabei nicht schaden. Je nach Thema kann es sinnvoll sein, dem „Gegner“ Daten und Fakten zu präsentieren. Zwar können Statistiken zum Teil unterschiedlich interpretiert werden, doch oft kann bei einer feststehenden Zahl kein treffendes Gegenargument gefunden werden.

Aufbau eines Kommentars

Der Kommentar beginnt meist mit der These des Autors. Dann wird diese These im Laufe des Textes mit Argumenten begründet. Dabei ist im Grunde jedes sprachliche Mittel erlaubt. Doch sollte man gerade mit Ironie vorsichtig umgehen. Oft genug ist die Ironie für den Leser nicht eindeutig erkennbar, womit auch die Meinung des Autors nicht klar zu verstehen ist.

Auch Sprachbilder sollten äußerst sparsam eingesetzt werden. Wer zum Beispiel eine Metapher nach der anderen verwendet, wirkt schnell als würde er nur mit Floskeln um sich werfen. Der Leser verliert dann leicht das Interesse oder kann – und das ist genauso schlimm – nicht mehr folgen.

Um den Kommentar überzeugender wirken zu lassen, sollte der Autor zudem möglichst wenig Adjektive und stattdessen starke Substantive benutzen.

Das Tempo kann gut durch die Länge der Sätze gesteuert werden. Generell gilt: Lange Sätze machen eine Text langsam, kurze Sätze machen ihn schnell. Ein Rhythmenwechsel, also lange und kurze Sätze abwechselnd zu verwenden, funktioniert dabei meist am besten. Allerdings ist auch das wieder vom Thema abhängig.

Es klingt banal, wird aber trotzdem oft vernachlässigt: Ein Kommentar muss unbedingt logisch aufgebaut sein. Gerade Anfänger begehen oft diesen Fehler und reihen eifrig Argumente aneinander. Zum einen besteht so die Gefahr, dass sie nicht darauf achten, in welcher Reihenfolge die Begründungen am sinnvollsten sind. Zum anderen kann dann es passieren, dass sich der Autor selbst widerspricht und eine seiner Begründungen unabsichtlich mit einer anderen widerlegt.

Nach dem Schreiben sollte der Kommentar also mehrfach durchgelesen werden. Der Verfasser sollte dabei überprüfen, ob der Text schlüssig und nachvollziehbar ist. Er muss den Text und auch sich selbst kritisch hinterfragen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Leser sich höchstwahrscheinlich noch nicht so intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Wer sich selbst lang mit einem Sachverhalt beschäftigt, verliert schnell das Gefühl dafür, was sofort zu verstehen ist und was dem Rezipienten erst erklärt werden muss.

Kommentar als besondere Textsorte

Bei kaum einer anderen Textsorte kann es so sinnvoll sein, den Text vor der Veröffentlichung von jemand anderem lesen zu lassen, wie bei einem Kommentar. Je weniger diese Person über das Thema weiß, umso mehr kann sie dem Autor helfen, die Schwachstellen des Textes zu erkennen.

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